Wirtschaftskrise hin oder her, Qualität „made in Germany“ erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Das gilt allerdings nicht nur für Waren, sondern auch für deutsches Know-how. Vor allem „technisch ausgefeilte, individuelle Investitionsgüter“ sind dabei die Stärken des deutschen Standortes. Die Basis dafür seien die unternehmerischen Netzwerke, die Mitbewerber aus dem Ausland nicht so schnell kopieren können, konstatiert Vogel Business Media anlässlich des 3. VDMA-Kongresses „Intelligenter Produzieren“, der am 9. und 10. Mai in Würzburg stattfand.
Die Themen des diesjährigen Kongresses waren unter anderem Ressourceneffizienz in der Produktion und integrierte Produkt- und Prozessentwicklung. VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner betonte in seiner Eröffnungsansprache, dass „intelligent produzieren“ nicht nur eine Frage der Technik ist, sondern auch das Miteinander der Beschäftigten betrifft: Die 170.000 Ingenieure in Deutschland zeichnen sich zwar durch Fach- und Methodenkompetenz aus, werden aber durch ihre Handlungskompetenz noch besser. „Das Verhalten in Konflikten, unter Stress, bei Entscheidungen ist schlichtweg erfolgskritisch“, so Lindner.
Lindner sprach sich auch energisch gegen Stimmen aus, die Deutschland den Niedergang der Produktion vorhersagt. Trotz der „Dienstleistungs-Apologeten“ sei bei uns gerade eine Re-Industrialisierung im Gange. Die Maschinenkapazitäten seien im vergangenen Monat zu 89% ausgelastet gewesen, er erwarte ein weiteres Produktionswachstum. Zu dieser positiven Lage habe auch das Festhalten an den Mitarbeitern beigetragen.
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Prof. Michael Hüther, sieht als einen der Gründe für die positive Entwicklung die Tatsache, dass in Deutschland, anders als in anderen Ländern, die Politik die Verlagerung weg von der Produktion und hin zur Dienstleistung nicht nachdrücklich forciert worden sei. Allerdings bewertet Hüther negativ, dass die Politik sich in Technikentscheidungen einmische. Vom Staat gelenkte Entwicklungsprogramme, wie etwa bei der Elektromobilität, seien weniger sinnvoll als etwa Forschungsprämien, die den Herstellern nicht die Wahl nehmen, sich je nach Marktlage für eigene Projekte zu entscheiden.
Von: Alexandra Preis