
Vor einiger Zeit kursierte auf Twitter ein sehr nettes Bild, das mit Sätzen wie „Hier haben die Ingenieure gepatzt“ verlinkt wurde. Auf dem >> Bild ist eine Autobrücke zu sehen, die ganz kurz vor der Vollendung steht. Das Problem: Die Straßenteile sind mehrere Meter versetzt, was in der ganzen Bauzeit offensichtlich niemandem aufgefallen ist.
Egal ob das Bild nun manipuliert ist oder nicht (bestimmt ist es das), solche Fehler kommen eher selten vor. Natürlich kann es immer mal zu Fehlern kommen(sogar bei Ingenieuren!), doch die werden meist rechtzeitig entdeckt.
Viele andere, kleinere Fehler bleiben ewig im Verborgenen. Ich spreche hier nicht von fachlichem Versagen oder Kunstfehlern, die im Ernstfall sogar Menschenleben kosten können. Ich spreche, natürlich, von Lebensläufen.
Als Personaldienstleister bekommen wir viele unterschiedliche Lebensläufe auf die Schreibtische. Natürlich ist jeder Lebenslauf etwas Besonderes, und es gibt keine zwei CVs, die auch nur annähernd vergleichbar sind. Eines trifft allerdings fast immer zu: Der Lebenslauf des Ingenieurs ist lieblos gestaltet und schlampig ausgeführt. Generell kommen Ingenieure ihrem Partner nicht gerne entgegen, habe ich den Eindruck, auch im alltäglichen Geschäft. Hier unsere Top Ten der gröbsten Ingenieurspatzer:
10. Chronologischer Lebenslauf: Es ist gut, dass Sie mit über 30 Jahren Berufserfahrung aufwarten können. Aber nicht immer ist Ihre Ausbildung als Unterkesselwärterlehrling im Kombinat Schwarze Pumpe unbedingt relevant für die Stelle, um die Sie sich aktuell bewerben.
9. Wiederkehrende Auftraggeber: Wenn Sie mehrmals für den gleichen Auftraggeber gearbeitet haben, spricht das durchaus für Sie. Achten Sie aber bitte darauf, dass Sie den Namen des Unternehmens durchgehend gleich schreiben, idealerweise sogar richtig.
8. Übertriebene Diskretion: Natürlich sollen Sie über Interna ehemaliger Auftraggeber oder Arbeitgeber Stillschweigen bewahren. Allerdings sind Aussagen wie „2009: Rohrleitungskonstrukteur im Kraftwerksbereich“ vielleicht einen Hauch zu diskret. Versuchen Sie einen Mittelweg zu finden.
7. Schreibfehler: Tippfehler passieren. Das ist kein Drama. Um zu vermeiden, dass ein Lebenslauf mit Schreibfehlern bei uns landet, bemühen Sie einfach die Rechtschreibprüfung Ihres Schreibprogrammes, und lassen Sie idealerweise noch eine zweite Person Ihren Lebenslauf lesen.
6. Schlechte Bilder: Über den Sinn oder Unsinn von Bildern in Bewerbungen kann man streiten, aber wenn Sie schon ein Bild beilegen, dann bitte ein eigens für diesen Zweck aufgenommenes Portrait und kein Bild, das Sie sichtlich aus einem anlässlich einer Familienfeier gemachten Gruppenbild ausgeschnitten haben und auf dem noch der Hinterkopf Ihres Enkelkindes zu sehen ist.
5. Unübersichtlichkeit: Bitte verwenden Sie ein bisschen Zeit und Planung auf Ihren Lebenslauf. Es sollte schon klar ersichtlich sein, was Ihre selbstständige Tätigkeit ist und wo Sie ausgebildet wurden. Wir möchten es uns nicht zusammenreimen müssen, wann Sie nun für wen in welchem Projekt gearbeitet haben.
4. Anschreiben: Wir sind Personaldienstleister. Das bedeutet, Sie schicken uns Ihren Lebenslauf und lehnen sich zurück. Das Anschreiben muss dementsprechend nicht so ausgetüftelt sein wie bei einer direkten Bewerbung, vor allem wenn wir schon vorher Kontakt mit Ihnen hatten. Wir sind auch nicht erpicht auf besonders aufwändigen Schreibstil – Sie müssen sich als nicht unbedingt auf unsere „geschätzte Insertation“ berufen, schon gar nicht, wenn wir telefonisch Kontakt mit Ihnen aufgenommen haben.
3. Kein Eintrag im Telefonbuch: Wenn Sie Ihr eigenes Unternehmen haben, lassen Sie es doch bitte im Telefonbuch eintragen. Potenzielle Kunden danken es Ihnen.
2. Keine Internetseite: Ich verlange keinen spekakulären Internetauftritt, aber es wäre ganz schön, wenn Sie für Ihr Ingenieurbüro wenigstens eine kleine Seite haben, auf der Sie Ihre Leistungen auflisten und eine Kontaktmöglichkeit angeben! Sie arbeiten den ganzen Tag mit den komplexesten technischen Problemen und verwenden anspruchsvolle Software – da brauchen Sie vor einer Internetseite nicht zurückschrecken. Viele E-Mail-Anbieter geben ihren Usern auch die Möglichkeit, völlig ohne Programmierkenntnisse in wenigen Minuten eine attraktive Unternehmenshomepage zu erstellen – meist sogar kostenlos.
1. Unerreichbarkeit: Es kann immer mal vorkommen, dass der Handyakku leer ist, oder man einfach nicht ans Telefon kann. Für solche Fälle können Sie aber die praktische Mailboxfunktion nutzen. Nichts ist für uns ärgerlicher, als wenn wir einen tollen Auftrag für Sie haben, und Sie nicht erreichen können – das gilt ganz genauso für Ihre Kunden.
Ich überlege mir, ob ich nicht für unsere Bewerber und Partner einen Service anbieten sollte, der einen kompetenten Telefonbucheintrag und eine kleine Internetseite umfasst!
Von: Alexandra Preis